Das Echte Kuba Erleben: Ein Spaziergang Durch Die Gassen Havannas

Havanna – hier startet und endet meine dreiwöchige Reise durch Kuba. Ich will das echte Havanna erleben, abseits der üblichen Touristenfallen und der hübsch renovierten Plaza Vieja. Stundenlang laufe ich mit meiner Kamera durch die Altstadt Havannas und versuche den Fokus der Fotos auf das einfache Leben der Kubaner zu setzen. Seht hier ein Stück der verfallenden Schönheit Havannas, seiner maroden Straßen und baufälligen Gebäude und bekommt einen Einblick in das tägliche Leben der Kubaner:

¡Viva Domino!

Ein Tisch mitten auf der Straße, drum herum sitzen ein paar Männer, die hochkonzentriert und mit todernster Miene Domino spielen. Domino?! Was uns höchstens noch als Spiel aus unserer Kindheit bekannt ist, ist auf Kuba regelrecht zum Nationalspiel mutiert, welches besonders am Abend an sämtlichen Straßenecken der Stadt gespielt wird.

¡Che,  Comandante!

Überall auf Kuba blicken einem die Gesichter der ewigen Revolutionshelden Che Guevara, Fidel und Raúl Castro und Camilo Cienfuegos entgegen, dazu handgeschriebene politische Parolen an den Hauswänden. So auch in der Hauptstadt Havanna. Die häufigsten darunter sind „Venceremos“ („Wir werden siegen“), „Patria o muerte“ („Vaterland oder Tod“) und „¡Hasta la victoria siempre!“ („Auf ewig zum Sieg!“). Auch auf Taxifahrten durchs Land wurde ich stundenlang mit Propaganda-Songs wie „Hasta Siempre, Comandante“ beschallt, der die bedeutendsten Momente der kubanischen Revolution und Ches Rolle als revolutionären Kommandanten wiederkäut.

work, work, work, work, work, work,…

Kuba ist ein Land, in dem Taxifahrer mehr verdienen als Ärzte – ein Kubaner erzählte mir zum Beispiel, dass seine schwangere Frau, die als Kardiologin im Krankenhaus arbeitet, mit nur US$35 im Monat zurechtkommen muss. Viele Kubaner sehen deshalb den Tourismus als zusätzliche Chance, ihr Gehalt etwas aufzubessern. Sie vermieten zum Beispiel für durchschnittlich US$25 ein Zimmer an Touristen, oder kutschieren diese im Taxi durch die Stadt. Somit verdienen sie am Tourismus an nur einem einzigen Tag mehr, als mancher Kubaner im ganzen Monat.

Gemüsehändler und Bici-Taxifahrer in der Altstadt von Havanna.

Fischer am Malecón, Havanna’s berühmter Uferpromenade.
Ein Mann geht von Wagen zu Wagen und bietet gebrannte Nüsse in schmalen Papiertütchen an.

VERFALL

Abseits der Plaza Vieja prägen baufällige Gebäude, schief hängende Balkone, aufgerissene Straßen und riesige Schutthaufen das Stadtbild von Havanna – es fehlt schlicht und einfach das Geld, das für eine Renovierung nötig wäre. Aufgrund des starken Mangels an Wohnraum leben oft sogar mehrere Generationen unter einem Dach zusammen.

Amerikanische OLDTIMER

Chevrolet, Chrysler, Ford, Cadillac – alte US-Schlitten findet man in Havanna an jeder Ecke und die Kubaner stecken jede Menge Arbeit in deren Instandhaltung. Rund 100.000 Autos aus den Baujahren 1945-58 sollen noch auf Kubas abenteuerlichen Straßen unterwegs sein. Den permanenten Diesel- und Abgas-Geruch gibt’s gratis mit obendrauf!

Büchertipp: Yoani Sánchez – Cuba Libre: Von der Kunst, Fidel Castro zu überleben.

Die kubanische Bloggerin Yoani Sánchez beschreibt in ihrem Buch den alltäglichen Wahnsinn Havannas unter dem Castro-Regime und hinterfragt offen das System – Schwarzmarkt, lebenslang kaputte Fahrstühle, Zensur und Beschattung eingeschlossen. Sehr lesenswert für jeden, der sich für Kuba, seine komplexe Geschichte und den täglichen Kampf ums Überleben in einem Land, welches vom Sozialismus beherrscht wird, interessiert!

 

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