Höllentalklamm ∆ Vom unbeschreiblichen Glück der letzten Flasche Almdudler der Saison

Was tun Münchner an einem sonnigen Wochenende im Oktober? Exakt: Sie fahren in die Berge. ALLE. Ohne Ausnahme. Denn die beeindruckende Bergwelt ist ja nur eineinhalb Stunden von München entfernt.

Eigentlich.

And into the mountains I go to lose my mind and find my soul

Wie gefühlt auch alle anderen aus der Stadt machen sich meine Freundin Adriana und ich also auf den Weg Richtung Grainau bei Garmisch-Partenkirchen und haben Glück: Heute ist der vorletzte Tag, an dem die Höllentalklamm für diese Saison geöffnet ist. Drei Stunden und eine kleine Autobahn-Odyssee später parken wir endlich das Auto im beschaulichen Dörfchen Hammersbach und kraxeln von dort aus den Berg hinauf.

Schon die moosbedeckte Landschaft beim Aufstieg zum Eingang der Höllentalklamm könnte glatt einem Märchen entsprungen sein: Der verschlungene Weg führt uns entlang des rauschenden Hammersbachs durch bunte Herbstwälder, die von der späten Nachmittagssonne in goldglänzendes Licht getaucht werden.

Das Tor zur hölle

Mit der Hölle hat das Tal nur wenig gemeinsam. Die abenteuerliche Klamm zieht uns mit seinen bis zu 150 Meter tiefen Schluchten, tosenden Wasserfällen und bizarren Felsformationen voll in seinen Bann. Wieso bin ich hier gerade zum ersten Mal, wo ich doch inzwischen seit über sechs Jahren in München lebe?

Nach etwa einer Stunde gemütlichen Gehens erreichen wir die Höllentaleingangshütte auf 1047 Metern Höhe und kommen gerade noch rechtzeitig, um den letzten Teller Kaiserschmarrn mit Apfelmus und die letzte Flasche Almdudler der Saison abzugreifen – ein Wahnsinns-Gefühl!

Eigentlich schon viel zu spät betreten wir die knapp einen Kilometer lange Höllentalklamm – alle anderen Wanderer kommen uns schon klitschnass auf ihrem Rückweg entgegen und werfen uns unverständliche Blicke zu. Einen Vorteil hat das Ganze aber trotzdem: Wir haben haben die spektakuläre Klamm fast für uns alleine und müssen nicht ständig warten, um andere Menschen passieren zu lassen.

Über Brücken, wackelige Stege und rutschige Felstreppen bahnen wir uns langsam den Weg durch die kühle Klamm. Das dumpfe Rauschen des wilden Wassers, das sich in tausenden von Jahren seinen Weg durch den massiven Fels gegraben hat, wird lauter und lauter.

Als sich der Tag langsam dem Ende neigt und der Nebel aus den Felsspalten hervor kriecht, hat die Höllentalklamm plötzlich etwas Mystisches, gar Bedrohliches an sich. In den dunklen Tunneln wird es auf einmal richtig frostig und eiskaltes Wasser tröpfelt von der Decke direkt in unsere Nacken – von meinen durchweichten Socken und nass-kalten Füßen möchte ich gar nicht erst reden. Aber selbst Schuld, warme und vor allem regenfeste Kleidung wäre hier wirklich keine schlechte Idee gewesen.

Da es schon ziemlich spät geworden ist und es auch langsam dunkler wird, beschließen wir an dieser Stelle umzukehren und zurück zum Auto zu laufen. Für die Fahrt zurück nach München brauchen wir übrigens wieder fast drei Stunden. Aber hey, was tut man nicht alles für eine kleine, abenteuerliche Outdoor-Flucht aus der Stadt!


GUT ZU WISSEN

  • Die Höllentalklamm ist nur in der schneefreien Jahreszeit zugänglich – je nach Witterung öffnet die Klamm im Mai und schließt Ende Oktober.
  • Start der Höllentalklamm-Wanderung ist entweder am Obergrainauer Dorfplatz oder am Wanderparkplatz in Hammersbach 
  • Der Eintritt zur Klamm kostet 4 € pro Person
  • Warme, regenfeste Kleidung einpacken!

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